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Wunschort war gestern

Zustellung eines Pakets
Off

Beschwerde eines Verbrauchers:

Ich hatte seinerzeit mit der DHL als Ablageort die Garage meines Nachbarn vereinbart. Seitdem ich nicht mehr berufstätig bin (ca. 3 Jahre), versuche ich diesen Vertrag zu löschen. Dies mehrfach online, aber auch per diverser Schreiben an den Kundendienst, sogar auch an die Geschäftsleitung der DHL. Man muss nicht extra erwähnen, dass diese Schreiben unbeantwortet blieben. Dieses Verhalten dokumentiert die Servicewüste Deutschland auf besondere Weise. Wenn schon die Geschäftsleitung auf Schreiben nicht reagiert, sollte es eigentlich nicht wundern, wenn in den sonstigen Bereichen ebenfalls eine Arbeitsverweigerung stattfindet. Die Frage, die sich mir stellt, lautet: Wie kann ich ohne kostenträchtiges Rechtsverfahren die DHL zu einem absolut simplen Verwaltungsvorgang bewegen? Online nicht möglich. Wie von der DHL gefordert per Brief, ebenfalls keine Reaktion. Fakt ist: Sendungen sind meinem unmittelbaren Zugriff entzogen. Problematisch wird dies vor allem bei verderblichen Waren oder auch Medikamenten.

Was der Paketdienstleister dazu sagt:

Der Paketdienstleister hat uns keine fristgerechte Stellungnahme hierzu abgegeben.

Was die Verbraucherzentrale dazu sagt:

Die Vorteile eines Garagenvertrages liegen auf der Hand. Der Empfänger kommt nach Hause und nimmt sein Paket am Wunschort entgegen - kein Klingeln beim Nachbarn oder Laufen zum Paketshop. Der Zusteller wiederum erspart sich zeitaufwendige Ersatzzustellversuche, nachdem er den Empfänger nicht angetroffen hat. Anders als üblich muss der Zusteller das Paket eben nicht persönlich beim Empfänger abliefern.

Entsprechend groß ist jedoch auch das Risiko: Für Schäden oder Verlust haftet der Paketdienstleister nach Ablieferung am Wunschort nämlich grundsätzlich nicht mehr. Das Risiko liegt dann beim Empfänger des Pakets. Wir raten daher dazu, eine solche Vereinbarung nur in gut überlegten Einzelfällen abzuschließen.

Unserer Ansicht nach sind Verbraucherinnen und Verbraucher aber berechtigt, die Ablieferungsvereinbarung jederzeit wieder aufzulösen.

So schreibt DHL in diesem Zusammenhang auf ihrer Internetseite, dass der Ablagevertrag formlos unter Angabe der vollständigen Adresse per Brief an die Adresse

DHL Paket GmbH
Kundenservice
22795 Hamburg

gekündigt werden könne. Darüber hinaus könne ein aktivierter Wunschort online über "Paket.de" deaktiviert werden.

Es bietet sich an, entsprechende Schreiben gerichtsfest zu dokumentieren, z.B. per Einschreiben oder durch persönliche Ablieferung unter Zeugen. Im Streitfall muss nämlich der Empfänger beweisen, dass eine Vereinbarung über den Wunschort aufgelöst wurde. Der Paketdienstleiter wiederum muss darlegen und beweisen, dass überhaupt eine entsprechende Vereinbarung geschlossen wurde.

Wurde ein entsprechendes Schreiben jedoch beim Paketdienstleister zugestellt, muss dieser die Pakete auch grundsätzlich wieder beim Empfänger persönlich abliefern. Anderenfalls verstößt er gegen seine Pflichten aus dem Frachtvertrag und macht sich z.B. bei Verlust gegebenenfalls schadensersatzpflichtig.

Tipp

  • Seien Sie sich über die Risiken bei der Vereinbarung eines Wunschorts bewusst: Für Schäden und Verlust nach Ablage haftet der Paketdienstleister nicht und ihre Beweismöglichkeiten im Streitfall sind im Zweifel schlechter.
  • Erkundigen Sie sich vor der Vereinbarung des Wunschorts, ob diese einmalig oder dauerhaft gilt.
  • Wählen Sie als Wunschort nur Orte, die gegen den unbefugten Zugriff von Dritten und Wettereinflüssen geschützt sind. Stellen Sie auch sicher, dass Sie selbst jederzeit Zugriff haben.
  • Erkundigen Sie sich bei dem Paketdienstleister, auf welche Art die Vereinbarung über den Wunschort aufgelöst wird. Im Zweifel "kündigen" sie die Vereinbarung auf die gleiche Art und Weise, wie sie den Wunschort vereinbart haben.
  • Dokumentieren Sie eine "Kündigung" der Vereinbarung über den Wunschort. Hierfür bieten sich vor allem Einschreiben an. Lassen Sie sich im Zweifel die Auflösung der Vereinbarung vom Paketdienstleister bestätigen.

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