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Jeder braucht Bestätigung

Stand:

(Dezember 2017) Wer online einen Vertrag kündigen will, sollte sich einer Sache bewusst sein: Im Streitfall müssen Verbraucher einen Nachweis über den Eingang der Kündigung erbringen, um zu ihrem Recht zu kommen. Im Nachhinein ist das allerdings kaum noch möglich.

 

Kontaktforumular
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Beschwerde einer Verbraucherin:

Am 24.11.17 habe ich bei einem größeren deutschen Streaming-Filmportal einen kostenlosen Probemonat abgeschlossen, Beendigung zum 24.12.17.

Bereits am 25.11.17 habe ich das Portal schriftlich kontaktiert; über die Kontaktseite / Kontaktformular, und mitgeteilt, dass ich die Verlängerung nicht will, da ich es doch nicht nutze. Daraufhin habe ich keine Antwort erhalten.

Am 16.12.17 habe ich das Portal noch einmal angeschrieben, wieder über die Kontaktseite.
Wieder habe ich meine Kündigung ausgesprochen, wie schon am 25.11.17 und auch die Einzugsermächtigung zurückgezogen.

Ich habe dann den Portal-Chat kontaktiert und der Mitarbeiter behauptet, es lägen keine Kontaktdaten von mir vor und keine Kündigung. Weder hätte ich das Portal am 25.11. kontaktiert noch am 16.12. Ich könnte deswegen erst zum 24.01.18 kündigen.
Und ich soll jetzt meine Schreiben an das Portal im Kontaktformular nachweisen, dann könnte die Kündigung noch rückwirkend zum 24.12.17 erfolgen.

Wozu gibt es denn dieses Kontaktformular, wenn der Anbieter den Kontakt der Kunden im Formular abstreitet?

Es muss doch einen Nachweis darüber geben, wenn Kunden so ein Portal über das Kontaktformular kontaktieren!

Man kann das Geschriebene im Kontaktformular nicht einmal ausdrucken.

Jetzt werde ich noch als Lügnerin hingestellt und kann nicht zum Ende des Probemonats kündigen, weil der Mitarbeiter meinen Kontakt per Kontaktformular abstreitet.

 

Was die Verbraucherzentrale dazu sagt:

Verbraucherinnen und Verbraucher können mittlerweile viele Vertragskündigungen nicht nur auf dem Postweg sondern auch digital, z.B. über ein Kontaktformular oder E-Mail oder sogar mündlich per Telefon erklären. Verbraucher erhalten so eine bequeme, schnelle und kostengünstige Möglichkeit sich von Verträgen zu lösen.

Wichtig jedoch: Im Streitfall muss der Verbraucher darlegen und beweisen können, dass die Kündigung den jeweiligen Anbieter auch tatsächlich erreicht hat. Anders als z.B. bei einem Einschreiben mit Rückschein hat der Verbraucher bei einer Kündigung per Kontaktformular, E-Mail und Co., aber auch per einfachen Brief, kein zusätzliches Dokument in der Hand, das den Zugang des Schreibens beim Anbieter bestätigt. Bestreitet der Anbieter den Zugang, können Verbraucher diesen im Zweifel im Nachhinein nicht mehr darlegen und sich daher auch nicht auf eine wirksame Kündigung berufen.

Um bei einer Kündigung per Kontaktformular einer solchen Beweisnot vorzubeugen, sollten Verbraucher daher auf ein paar Dinge achten. Bei vielen Kontaktformularen lässt sich eine Kopie der Nachricht mitsamt Eingangsbestätigung an die eigene E-Mail-Adresse verschicken. Eine solche Bestätigungsmail muss teilweise ausdrücklich ausgewählt werden. Fehlt eine solche Möglichkeit, kann es sich aus Beweiszwecken anbieten, auf einen anderen Kommunikationsweg zurückzugreifen.

Auf „Nummer Sicher“ gehen Verbraucher jedoch, wenn sie sich den Eingang der Kündigung ausdrücklich vor Fristende bestätigen lassen. Anderenfalls sollte das Schreiben noch einmal rechtzeitig klassisch auf dem Postweg verschickt werden, vor allem als Einschreiben mit Rückschein.

Tipp:

  • Erkundigen Sie sich vor Erklärung einer Kündigung bei dem jeweiligen Anbieter, welchen Weg zur Kündigung dieser anbietet. Achten Sie in jedem Fall darauf, dass Sie den Zugang der Kündigung nachweisen können.
  • Für den Fall, dass Sie die Kündigung per E-Mail senden, aktivieren Sie zuvor die Lesebestätigungs- und Eingangsfunktion und bewahren die jeweiligen Bestätigungen auf.
  • Wollen Sie per Kontaktformular kündigen, achten Sie darauf, dass eine (auswählbare) Funktion vorhanden ist, mit der Ihnen eine Kopie der Nachricht z.B. per E-Mail zugeschickt wird und der Zugang bestätigt wird.
  • Erklären Sie die Kündigung in jedem Fall so früh wie möglich und lassen sich den Eingang von dem Unternehmen ausdrücklich bestätigten. So bleibt Ihnen ausreichend Zeit, die Kündigung bei Ausbleiben der Bestätigung noch als Einschreiben mit Rückschein zu versenden.  
  • Weitere Informationen finden Sie auch auf unserer Seite Digitale Kommunikation 

 

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