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Gehören Pakete jetzt auch an die Leine?

Stand:

(Juli 2017) "Über den Zaun-Zustellungen" und andere kreative Paket-Ablieferungen sind auf Paket-Ärger.de keine Seltenheit. Der nachfolgende Fall erweitert die außergewöhnlichen Zustelllösungen gleich um eine "tierische" Komponente.

Paket an der Leine
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Beschwerde einer Verbraucherin:

"Da ich nicht Zuhause war, habe ich an der Haustüre eine Nachricht hinterlassen, dass das Paket beim Nachbarn abgegeben werden soll.

Aber nein, der Zusteller steigt über den ersten Zaun und wirft meine Ware in den Hundezwinger, wo der zweite Zaun eine Höhe von 1,50 m hat. Dadurch wurde das Paket scheinbar beschädigt. Da keine Nachricht abgegeben wurde, wusste ich nicht, dass das Paket zwei Tage in der Nässe lag. Wo ist das Problem es bei dem Nachbarn abzugeben? Das wäre in seiner Fahrrichtung gewesen.

Wenn einer meiner Hunde den Fahrer geschnappt hätte, wäre der Teufel los gewesen. Warnschilder wären genug da."

Was der Paketdienstleister dazu sagt:

"Wir bitten für die Abweichung vom vereinbarten Zustellprozess um Entschuldigung. Da die Beschwerdeführerin als Originalempfängerin offensichtlich nicht anzutreffen war, hätte der Bote alternativ - wie von der Beschwerdeführerin vorgeschlagen - die Zustellung in der Nachbarschaft versuchen sollen. Das eigenmächtige Betreten des Grundstücks und die Ablage an einem nicht geschützten Ort sind nicht zulässig. Der Bote wurde darüber erneut belehrt."

Was die Verbraucherzentrale dazu sagt:

Nach wie vor erreichen Paket-Ärger.de regelmäßig Beschwerden über ein skurriles und zugleich nicht weniger ärgerliches Phänomen, was Anlass genug ist, es erneut aufzugreifen: Mülltonnen, Toiletten, Motorroller und Balkone nehmen Pakete für die eigentlichen Empfänger an – und "unterschreiben" in vielen Fällen auch gleich für diese auf dem Gerät des Zustellers.

Was in vielen Fällen gut gemeint ist, kann "böse" enden, wie alleine der erste Teil der Paket-Ärger-Filmtrilogie beweist. Ebenso scheint die Idee zur Paketablage im Hundezwinger mangels Diebstahlgefahr durchaus nachvollziehbar – der fehlende Regenschutz und die möglichen Folgen der Verwunderung des eigentlichen Bewohners sprechen aber wohl gegen einen geeigneten Ablageort.

Wird der Paket-Inhalt dabei beschädigt oder das Paket verschwindet, sind die Betroffenen trotz des Ärgers jedoch nicht völlig machtlos. Paketdienstleister sind nämlich grundsätzlich verpflichtet, die Pakete an der Wohnungsadresse des Empfängers persönlich abzuliefern. Eine "Zustellung" an einem beliebigen Ort wie dem Hausflur, Garten oder Ähnlichem ist dem Paketdienstleister, anders als die Zustellung bei einem Ersatzempfänger, ohne entsprechende Vereinbarung nicht gestattet.

Dem Versender und ggf. Empfänger können dann bei Schäden und Verlust Schadens­ersatzansprüche zustehen. Hierbei sind jedoch im Streitfall der Wert des Paketinhalts und die unbeschädigte Einlieferung des Pakets nachzuweisen, was im Zweifel nur dem Absender möglich ist, sofern er die entsprechenden Vorgänge dokumentiert hat und Belege vorweisen kann. Beschädigter Paketinhalt sollte daher auch vom Empfänger durch Zeugen oder Bilder festgehalten werden und sofort dem Paketdienstleister und Absender gemeldet werden.

  • Dokumentieren Sie die nicht ordnungsgemäße Zustellung und hiermit verbundene Schäden durch Zeugen und/oder durch Bilder.
  • Unterrichten Sie bei einem Schaden oder einem Verlust auch sofort den Absender mit der Bitte um Schadensregulierung bei dem Paketdienstleister.
  • Melden Sie den Schaden oder Verlust sofort dem Paketdienstleister und weisen Sie auf die nicht ordnungsgemäße Ablieferung hin.
  • Sprechen Sie im Einzelfall mit Ihrem Zusteller: Gut gemeint – ist nicht immer gut gemacht. Zukünftige Probleme und Missverständnisse können sich so frühzeitig vermeiden lassen.
  • Falls Sie die Zustellung an einem Wunschort wünschen, können Sie mit dem Paketdienstleister einen Ablageort vereinbaren. Achtung: Im Falle von Verlust oder Beschädigung nach Ablieferung am Wunschort haftet der Paketdienstleister jedoch nicht mehr, wir raten daher nur in Einzelfällen zu einer solchen Lösung.
  • Bei einigen Paketdienstleistern können Sie für den Fall, dass Sie nicht zuhause sind, auch den Zustelltag oder gegebenenfalls gleich die ganze Empfängeradresse ändern und so eine Anwesenheit des Empfängers sicherstellen. Gegebenenfalls können Sie auch einen Wunschnachbarn wählen.

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