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Packstation ohne "Grünen Daumen"

Stand:

(April 2017) Die selbstgebackenen Kekse zu Weihnachten gehen unterwegs verloren, das Geburtstagsgeschenk kommt zu spät an. Und Ostern verunglücken Pflanzen…...

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Beschwerde eines Verbrauchers:

Meine Schwester wollte mir ein Ostergeschenk machen in Form von exotischen Lebendpflanzen. Ich bekam die Abholmail und war 20 Min. später an der Packstation.

Mit Entsetzen erkannte ich, dass das Paket auf mindestens die Hälfte zusammengequetscht worden war und in ein viel zu kleines Fach gedrückt wurde. Nicht nur, dass das Paket völlig zerknüllt war, so war es im unteren Teil zu einem Drittel aufgerissen und die Kartonfetzen standen weit ab. Erde rieselte mir entgegen.

Sofort zeigte ich den Schaden in der angrenzenden Postfiliale an, wo ich aber nur mit einer Telefonnummer abgewimmelt wurde. Der Schaden interessierte sie nicht. Ich rief die Hotline an, die mir mitteilte, sie sei nicht zuständig, ich müsse in die nächste Hauptpoststelle. Auf meine Frage, wie ich denn da hinkäme, da ich nicht mobil sei und wer das bezahlen würde, bekam ich keine Antwort. Beschädigte Ware soll man also vorlegen und begutachten lassen. Aber was ist mit Pflanzen. Sollte ich eine Möglichkeit finden, in den nächsten Tagen zu einer Hauptpost zu gelangen, wären alle Pflanzen verdorben. Also öffnete ich vorsichtig oben das Paket, um zu sehen was ich retten kann. Noch ist nicht absehbar, ob die Pflanzen die vernichtende Behandlung überleben. Auch fehlen Samentüten die vermutlich aus dem 11x17 cm großen Loch im Karton gerutscht sind. Ich kann nun natürlich nicht mit einem leeren Karton in die Hauptpost.

Was die Verbraucherzentrale dazu sagt:

Das Paket beschädigt, der Ärger groß: Beim Anblick von kaputtem Paketinhalt verwandelt sich die Vorfreude schnell in Frust. Empfängern bleibt in der Regel nur, gleich die Annahme des Pakets zu verweigern oder sich in der Folge mit Absender und/oder ggf. Paketdienstleister wegen einer Schadensabwicklung auseinanderzusetzen.

Zwar haften Paketdienstleister grundsätzlich für Schäden am Paketinhalt, die in ihrer Obhut entstehen. Versender oder gegebenenfalls Empfänger müssen dies jedoch im Streitfall darlegen und beweisen. Und das bedeutet in der Regel, dass nicht nur offensichtliche Schäden sofort beim Zusteller angezeigt werden sollten, sondern auch der konkrete Schaden, etwa durch Rechnungen, beziffert werden und die Übergabe von unbeschädigtem Paketinhalt an den Paketdienstleister, z.B. durch Fotos des Einpackvorgangs oder Zeugen, nachgewiesen werden muss.

War der Paketinhalt dann noch ausreichend verpackt, besteht die Möglichkeit, den konkreten Schaden vom Paketdienstleister ersetzt zu bekommen.

Kleines Trostpflaster: Bei Waren, die Verbraucher im Online-Handel bestellen, trägt der Unternehmer grundsätzlich das Risiko für Schäden beim Versand. "Geplatzte" Geschenke kann im Zweifel jedoch auch kein Schadensersatz wiedergutmachen. Ein schwacher Trost für "unsere" (hoffentlich noch) Lebendpflanze.

Tipp

  • Achten Sie vor dem Versand auf Verpackungsrichtlinien der Paketdienstleister. Bestimmte Waren wie Eier oder Glas bedürfen regelmäßig besonderer Verpackung.
  • Beachten Sie auch die Lieferbedingungen. Bestimmte Waren, sog. Verbotsgüter wie z.B. lebende Tiere, sind grundsätzlich vom Versand ausgeschlossen bzw. besteht hier grundsätzlich keine Haftung für Verlust und Beschädigung. Informieren Sie sich hier im Zweifelsfall vor dem Versand.
  • Bei offensichtlichen Schäden am Paketinhalt bei der Zustellung, zeigen Sie den Schaden sofort beim Zusteller an und lassen den Schaden protokollieren. Gleiches gilt bei der Abholung z.B. in einem Shop. Bei einer Packstation zeigen Sie den Schaden in der nächsten Filiale an und lassen ihn dort aufnehmen. Bei Unsicherheiten oder Streitigkeiten verweigern Sie im Zweifel die Annahme oder nehmen das Paket nicht entgegen.
  • Der Paketdienstleister haftet grundsätzlich für Schäden, die am Paketinhalt in seiner Obhut entstanden sind. Sie müssen jedoch beweisen, dass der Inhalt in ordentlichem Zustand an den Paketdienstleister übergeben wurde bzw. dass der Schaden in der Obhut entstanden ist. Auch müssen Sie den konkreten Schaden beziffern können. Bewahren Sie daher Quittungen und Einlieferungsbelege des Paketinhalts auf und fotografieren Sie den Einpackvorgang bzw. lassen Sie diesen von einem Zeugen wie einem Familienmitglied, Freund o.ä. bezeugen.
  • Der Paketdienstleister muss im Streitfall beweisen, dass das Paket unzureichend verpackt war, um von diesem Haftungsausschluss zu profitieren. Lassen Sie sich hier im Zweifel nicht pauschal "abwimmeln".
  • Einige Paketdienstleister wie DHL stellen für die Schadensmeldung/Schadensabwicklung auch online Formulare bereit.

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